Saatgut als Gemeingut
Gemäß unserem in der Präambel formulierten Traum sollen Saatgut und Züchtung frei von Eigentumsrechten in der Hand von Amateur*innen und professionellen Gärtner*innen sein. Wir nehmen diese große Aufgabe in die Hände und
- Entwickeln ausschließlich sortenrein nachbaufähige – samenfeste – Sorten
- Wir haben Sorten wie Sunviva, Vivagrande, Vivaroma, Lisanco und Djagila als Gemeingut durch die Open-Source Saatgut Lizenz geschützt.
- Culinaris ist Teil der Global Coalition of Open-Source Seed initiatives (GOSSI)
Damit sind unsere Sorten ein Füllhorn an Möglichkeiten für die kommenden Generationen!
Was ist die Open-Source Saatgut Lizenz?
Sortenschutz auf kommerzielles Saatgut ist ein fester Bestandteil des Saatgutmarktes und der Patentschutz ist auf dem Vormarsch. Zudem schränkt die Geheimhaltung von Elternlinien bei Hybridsorten den freien Zugang ein. Open-Source ist zu einer Antwort auf die wachsende Privatisierung von Gemeingütern, den sogenannten Commons geworden. Eine Arbeitsgruppe aus Pflanzenzüchter*Innen, Agrarwissenschaftler*Innen und Jurist*Innen hat einen Weg gefunden dieses open-source Prinzip für die rechtliche Absicherung von Saatgut unserer Kulturpflanzen zu nutzen. Die Open-Source Saatgut Lizenz erlaubt die uneingeschränkte Nutzung von Saatgut und verhindert gleichzeitig seine Privatisierung. Die Lizenz ist zudem viral, d.h. alle Weiterentwicklungen des lizensierten Saatguts fallen ebenfalls darunter.
Wer vergibt die Open-Source Saatgut Lizenz?
Die Lizenz wird nicht vergeben, sondern kann von allen genutzt werden. Damit die lizensierten Sorten jedoch einem wirksamen Schutz unterliegen, hat es sich OpenSourceSeeds zur Aufgabe gemacht die Sorten zu verwalten. Weiterführende Informationen finden Sie bei OpenSourceSeeds.
Warum nutzt Culinaris Stiftung die Open-Source Saatgut Lizenz?
Spätestens mit dem sesshaft Werden arbeiten Menschen an der Entwicklung von Kulturpflanzen. Dadurch entstand über Jahrtausende eine riesige Fülle an Sorten und Populationen verschiedenster Arten. Diese Kulturpflanzenvielfalt stand die längste Zeit frei zur Verfügung. Wir nutzen diese pflanzengenetischen Ressourcen. Wir machen gute Sorten direkt verfügbar oder verwenden sie in der Züchtung. Da wir diesen freien Zugang nutzen, sehen wir es als selbstverständlich an, dass auch unsere Weiterentwicklungen allen frei zur Verfügung stehen. Für uns ist Saatgut Kulturgut und muss als solches der Menschheit erhalten bleiben!
Wie erkennen Sie lizensierte Sorten und was müssen Sie bei deren Nutzung beachten?
Durch die Open-Source Saatgut Lizenz geschützte Sorten sind am Logo zu erkennen. Sie dürfen diese Sorten nur nutzen, wenn Sie folgender Lizenzvereinbarung zustimmen; hier die Kurzform:
Saatgut mit gleichen Rechten und Pflichten für alle. Mit Erwerb des Saatguts oder bei Öffnung der Verpackung dieses Saatguts akzeptieren Sie im Wege eines Vertrages die Regelungen eines kostenfreien Lizenzvertrages. Sie verpflichten sich vor allem, die Nutzung dieses Saatgutes und seiner Weiterentwicklungen nicht z.B. durch Beanspruchung von Sortenschutzrechten oder Patentrechten an Saatgutkomponenten zu beschränken. Zugleich dürfen Sie das Saatgut und daraus gewonnene Vermehrungen nur unter den Bedingungen dieser Lizenz an Dritte weitergeben. Die genauen Lizenzbestimmungen finden Sie unter www.opensourceseeds.org/lizenz. Wenn Sie diese Bestimmungen nicht akzeptieren wollen, müssen Sie von Erwerb und Nutzung dieses Saatguts Abstand nehmen.
Zum Weiterlesen:
Kotschi J, Schrimpf B, Waters-Bayer A, Horneburg B (2022) Financing Organic Plant Breeding–New Economic Models for Seed as a Commons. Sustainability 2022, 14, 10023. https://www.mdpi.com/2071-1050/14/16/10023
Kotschi J, Horneburg B (2018) The Open Source Seed Licence: A novel approach to safeguarding access to plant germplasm. PLoS Biol 16(10): e3000023. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3000023
Kotschi J, Rehberg M, Horneburg B (2017) Open-Source Seeds und die Tomate Sunviva. SAVE e-News 2/2017
