Als ökologisch arbeitende Organisation garantieren wir Saatgut frei von Gentechnik. Dieser hohe Qualitätsstandard war schon in den 1990er Jahren bedroht und konnte verteidigt werden. Nun können in der EU in Kürze gentechnisch veränderte Nahrungsmittel auf den Tisch kommen und das sogar ohne Kennzeichnung!
Unten folgt die Stellungnahmen von bioverita dazu. Mehr Hintergründe zu dieser tief in unsere Rechte eingreifenden Entscheidung des EU-Parlaments hat der Informationsdienst Gentechnik hier https://www.keine-gentechnik.de/nachricht/eu-parlament zusammengestellt.
EU-Parlament gefährdet Sortenvielfalt und Ernährungssouveränität:
bioverita warnt vor den Folgen der Neuen Gentechnik
Köln/Langenthal (CH), 18.6.2026: Bio-Züchtung stärkt Vielfalt, Klimaresilienz und die Unabhängigkeit der Landwirtschaft
Mit der Verabschiedung der Deregulierung neuer gentechnischer Verfahren hat das Europäische Parlament gestern eine fatale Entscheidung getroffen, die weitreichende Folgen für die Zukunft unserer Ernährung haben wird. Der Verein bioverita warnt insbesondere vor einem rasanten Verlust an Sortenvielfalt und einer zunehmenden Konzentration des Saatgutmarktes in den Händen weniger Konzerne.
Vielfalt ist die Grundlage jeder zukunftsfähigen Landwirtschaft. Biolandwirtschaft ist stark, weil sie auf vielfältige Ökosysteme setzt. Je breiter die genetische Basis unserer Kulturpflanzen ist, desto widerstandsfähiger ist unser Ernährungssystem gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels. Die nun beschlossene Deregulierung schwächt jedoch genau diese Vielfalt: Sorten, die mit neuer Gentechnik entstanden sind, werden mit Patenten belegt werden. Damit werden wenige, wirtschaftlich besonders rentable Sorten begünstigt. Dies wiederum führt zur Konzentration auf ein immer engeres genetisches Spektrum. So wächst die Abhängigkeit von wenigen globalen Saatgutunternehmen – auf Kosten der Diversität auf Äckern und Tellern.
„Die größte Gefahr der Deregulierung ist nicht die Technologie selbst. Die größte Gefahr ist der weitere Verlust von Sortenvielfalt. Wenn immer weniger Sorten angeboten und angebaut werden, verlieren wir genau die genetischen Ressourcen, die wir für die Anpassung an Klimawandel, Krankheiten und zukünftige Krisen dringend brauchen“, sagt Amadeus Zschunke, Gründer und Präsident von bioverita.
Für bioverita ist klar: Wir erreichen Ernährungssicherheit nicht durch die Anwendung gentechnischer Verfahren, sondern über die Verwendung der Sorten aus Bio-Züchtung. Die biologische Pflanzenzüchtung entwickelt Sorten auf Grundlage natürlicher Kreuzungs- und Selektionsverfahren und stellt Vielfalt, Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft in den Mittelpunkt.
Bio-gezüchtete Sorten entstehen unter den Bedingungen des biologischen Landbaus und sind darauf ausgerichtet, mit begrenzten Ressourcen und wechselnden Umweltbedingungen zurechtzukommen. Damit Biolandbau richtig funktioniert, ist er auf eine möglichst große Sortenvielfalt angewiesen. Die Bio-Züchtung stellt diese zur Verfügung, erhält die Diversität unserer Kulturpflanzen und entwickelt sie weiter – eine zentrale Voraussetzung für Ernährungssicherheit und Klimaanpassung.
Angesichts der heutigen Entscheidung fordert bioverita Politik, Landwirtschaft, Handel und Zivilgesellschaft auf, die Bio-Züchtung gezielt zu stärken. Denn die Frage, welche Sorten künftig auf unseren Feldern wachsen, entscheidet mit darüber, wie widerstandsfähig und nachhaltig unser Ernährungssystem von Morgen sein wird.
